Lehmk(r)ampf

Das Wetter hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ausgerechnet in der Woche wo wir den Stampflehm geliefert bekommen sollten und verarbeiten wollten ist Dauerfrost und bis zu -18°C Tiefsttemperaturen angesagt.

Wer kennt noch Eisblumen an den Fenstern?

Wer kennt noch Eisblumen an den Fenstern?

Die Natur als Künstler

Die Natur als Künstler

Ihr könnt euch vielleicht vorstellen das man bei diesen Temperaturen keinen feuchten Lehm verarbeiten kann. Wir hatten also ein Problem. Zum einen ist Reinhold extra zum helfen gekommen und zum anderen hatten wir einen Dachdeckeraufzug, von dem wir nicht wussten wie lange wir ihn behalten dürfen. Zudem durfte uns die erste Teillieferung an Lehm die wir noch bekommen haben (ca. 2 kbm) nicht gefrieren. Unsere erste Angst, das wir den Lehm nicht schnell genug ins Haus bekommen, war unbegründet. zu dritt und mit Hilfe des Dachdeckeraufzugs waren 2 Kubikmeter Lehm innerhalb von 2 Stunden im 1. OG.

die ersten 2 Kubikmeter Lehm

die ersten 2 Kubikmeter Lehm

Da wir aber für den Aufzug ein Fenster ausbauen mussten, mussten wir dieses Loch mit allem was wir finden konnten so gut wie möglich verstopfen und haben außerdem noch einen Radiator in Betrieb genommen, damit uns der Lehm nicht im Haus noch gefriert. Ebenso mussten wir zumindest die Zimmer beheizen in denen wir mit den Stampflehmwänden beginnen wollten. Zum Glück wurde es eine Woche später wieder warm genug, die Radiatoren konnten wir wieder ausstellen und wir haben weitere Lehmlieferungen bekommen. Blöderweise waren wir jetzt aber nur noch zu zweit und haben noch 3 Lieferungen mit je 2 kbm Lehm verarbeitet. Eigentlich haben wir 2 Wochen mehr oder weniger nur Lehm geschaufelt oder gestampft, immer wieder durchsetzt mit dem einen oder anderen Tag Pause, weil wir beim besten Willen nicht mehr konnten. Irgendwann hat einem einfach jedes Gelenk, jede Sehne und jeder Muskel weh getan. Als kurze Erklärung: die Lehmmischung wird ca. 5-10 cm hoch hinter einer Verschalung aufgeschüttet und dann mit Hilfe eines Holzklotzes um ca. 50% verdichtet, indem man immer wieder mit dem Holz auf den Lehm stampft. Irgendwann haben sich selbst beim Brot schneiden die Hände sofort verkrampft. Nun haben wir aber in 2 Zimmern die Stampflehmwände ganz und 4 weitere sind ca. zu 1/3 fertig.

Die Wand wächst

Die Wand wächst

Außer dem Lehm haben wir noch 40 qm Schilfrohrplatten, jeweils 5 cm stark,  als Dämmung für die Giebelseiten gekauft. Das Zuschneiden der Platten ist zum Teil zwar nervig aber trotzdem lassen sich die Platten relativ gut verarbeiten und das dämmen ging hier deutlich schneller. Am Montag kommt der Heizungsmonteur und die beiden Zimmer bekommen ihre Wandheizung, so dass wir hoffentlich bald 2 weitere Zimmer nutzen können. Ok, es fehlt dann immer noch der Lehmputz und die Fenster müssen noch aufgearbeitet werden und der Fußboden abgeschliffen… 😉

40 qm Schilfrohrplatten

40 qm Schilfrohrplatten

fertiger Stampflehm und fast fertige Schilfrohrdämmung

fertiger Stampflehm und fast fertige Schilfrohrdämmung

Zumindest ein Fenster ist fertig restauriert, was aber wahnsinnig viel Zeit kostet. Es muss nicht nur die alte Farbe entfernt werden, sondern einen Flügel haben wir komplett in seine Einzelteile zerlegt da eine Scheibe kaputt war und ausgetauscht werden musste. Gut das man solche alten Holzfenster einfach zerlegen kann, da sie meistens nur gezapft und mit Holzstiften zusammengehalten werden. Danach musste alles wieder zusammengebaut und neu verkittet und gestrichen werden. Es macht Spaß zu sehen wie so ein altes Fenster wieder etwas von seinem früheren Glanz zurückbekommt. Und es schließt jetzt wieder richtig 🙂

altes Fenster

altes Fenster

restauriertes Fenster

restauriertes Fenster

und von innen

und von innen

Unser Haus- und Hofzimmermann hat im Stall weiter Balken ausgetauscht, was auch dringend nötig war. Wie man sieht ist von manchen nicht mehr viel übrig. Das war es aber hoffentlich vorerst mit Balken austauschen.

die Balken waren nicht mehr zu retten

die Balken waren nicht mehr zu retten

Im angrenzenden Teil des Stalls, besser gesagt im Heuboden, haben wir angefangen die alten, zum Teil, morschen Bretter zu entfernen und neue zu verlegen. Netterweise hat uns der Zimmermann seinen Nagler zur Verfügung gestellt. Auch wenn ich einen riesen Respekt vor diesem Teil habe, es geht um einiges schneller und ist Kräfte schonender als tausende von Nägeln mit dem Hammer einzuschlagen.

150 qm müssen neu verlegt werden

150 qm müssen neu verlegt werden

aber es geht voran

aber es geht voran

Zwei kleinere Zimmer sollen zu einem großen verbunden werden. Wir haben Ende November vorsichtig damit angefangen ein erstes Gefache aus der Zwischenwand zu entfernen. Nun haben wir zwei weitere entfernt und die Balken freigelegt. Die beiden Querbalken wurden dann von Wolfgang ruckzuck mit der Motorsäge gekappt, so dass man schon jetzt einen schöne Verbindung zwischen den beiden Zimmern hat, was es gleich viel heller und freundlicher macht.
Die Balken werden wir an anderer Stelle wieder verwenden um einen schon vorhanden Durchgang zu verschließen. Wir wollen so gut es geht mit dem alten Material was wir zur Verfügung haben arbeiten. Daher haben wir nicht nur die Balken aufgehoben sondern auch die Eichenstaken und das Strohlehmgemisch aus dem die Wände bestehen. Eigentlich faszinierend wie toll man alles wiederverwenden kann. Versucht das mal mit einem modernem Neubau

das Gefache ist schon mal entfernt

das Gefache ist schon mal entfernt

und die Balken auch

und die Balken auch

Ein Zweiter Duchgang soll zwei andere Zimmer verbinden um so genug Platz für ein Schlafzimmer und einen Kleiderschrank zu gewinnen. Sozusagen ein begehbarer Kleiderschrank ;-). Inzwischen sind wir schon darin geübt Gefache zu entfernen und so ging es diesmal relativ schnell. Innerhalb von 1,5 Tagen ist ein Durchgang entstanden und die Zimmerplanung nimmt immer mehr Gestalt an.

der Balken ist im Weg

der Balken ist im Weg

Vorsicht Kopf!

Vorsicht Kopf!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Da wir momentan, zum Teil gleichzeitig, in fast allen Zimmern im OG arbeiten haben die Zimmer inzwischen alle Namen bekommen, um uns untereinander zu verständigen wenn einer ein Werkzeug oder eine Leiter sucht. Mit: „das Zimmer ganz hinten“ ist nämlich keinem geholfen, das könnten 4 verschiedene sein. Jetzt fühle ich mich manchmal ein bisschen an Cluedo erinnert. Wer war es: Wolfgang in der Bibliothek mit der Stichsäge oder Reinhold im Ankleidezimmer mit dem Hammer oder Katja im Büro mit dem lehmverschmiertem Handschuh??? 🙂

 

4 Gedanken zu „Lehmk(r)ampf

  1. aha, Cluedo, wie heißen denn die vielen Zimmer 🙂 ??? Ich glaub, ihr braucht mal dringend einen Urlaub um die Kraft und Energie wieder auf zu tanken. Stimmts????

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